Wie aus einer Ikea-Truhe eine Lern- und Spielkiste wurde

Der Saarlouiser Künstler Mike Mathes hat mit der Firma Ikea eine Kunstaktion zugunsten der Aids-Hilfe gestartet. Die Firma Ikea stellte 10 Truhen zur Verfügung, die von 10 verschiedenen Schulen gestaltet werden sollten.

Das TGBBZ Dillingen war eine dieser Schulen.

Die Schulleitung hat Kollegen der Werkstatt und aus dem schulischen Bereich gebeten, eine Projektgruppe zu bilden, die – unter Einbeziehung der Schüler – die Truhe bearbeiten sollen.

Für die Projektgruppe waren 3 Dinge klar:

– die Truhe musste repräsentativ für unsere Schule stehen,

– sie musste einen Bezug zur Aids-Stiftung haben

– und sie sollte des Spenders Ikea gedenken.

 

Am TGBBZ Dillingen werden Schüler/innen in den Berufsfeldern Elektro, Elektronik, Informatik, Heizungsbau und Sanitär, Metallverarbeitung und KFZ unterrichtet.

Diese „Gewerke“ sollten in der Ausgestaltung der Truhe berücksichtigt werden.

 

Auf den ersten Blick fallen die Griffe der Schubladen auf: die Keramikfassungen stehen für den Bereich Elektrik, die Zündkerzen für die KFZ-Abteilung und die Absperrgriffe für Heizung und Sanitär.

 

Die Füße der Truhe wurden ersetzt durch geschmiedete Teile auf der einen Seite und durch rot gestrichene Edelstahlteile auf der anderen Seite. An diese Edelstahlfüße wurden Räder angebracht, um die Truhe bewegen zu können. Die Idee, die hinter den verschiedenartigen Füßen steckte, war der Gegensatz zwischen alt und neu, zwischen alter Schmiedekunst und neuer Edelstahltechnik.

 

Dem Spender gewidmet sind die Elche auf den beiden Seiten: auf der rechten Seite hat ein Schüler einen Elch aus Schiefer gehauen und rot gestrichen.

Auf der linken Seite wurde ein Elch, ebenfalls in Rot, auf die Truhe gemalt. Aus gelochtem Edelstahlblech wurde diese Seite verkleidet, so dass der Elch wie durch ein Gitter zu erkennen ist und zu einem Verfremdungseffekt beiträgt. Auch hier wieder der Kontrast zwischen alter und neuer Handwerkskunst.

 

Längs über die drei Schubladen wurde eine Figur gemalt, die an das Werk von Keith Haring angelehnt ist, einem amerikanischen Künstler, der an Aids verstorben ist.

Diese Figur soll die Schubladen optisch miteinander verbinden und Dymanik und Bewegung symbolisieren.

 

Diese Figur steht u.a. für das spielerische Element der Truhe. Um den Charakter als Lerntruhe zu verdeutlichen, hat die Projektgruppe verschiedene Buchrücken fotografiert, ausgeschnitten und auf ein Brett geklebt, das hinter auf die Truhe aufgesetzt wurde.

Somit erinnert dieses Möbelstück an ein altes Vertigo, das ebenfalls einen Aufsatz hat. Die Auswahl der Bücher soll einen gewissen anspruchvollen Zeitgeist ausdrücken.

 

Mit Farbe , darauf hat man sich geeinigt, sollte sehr sparsam umgegangen werden.

Deshalb wurde die Grundfarbe blau-grau ausgewählt, um nicht von den Details abzulenken.

Die zweite Farbe ist rot, mit der allerdings sparsam umgegangen wurde. Kanten und Ränder in Rot sollen die dominante Farbe blau-grau stärker betonen. Rot als Farbe des Blutes, des Herzens, der Gefühle.

 

Auf die Oberseite der Truhe wurde eine zweite Platte aufgeschraubt, die am Rand eine ausgefräste Nut hat, in die eine Beleuchtung in Form eines LED-Streifens eingelassen ist.

 

Beim Öffnen der mittleren Schublade ertönt das Lied „Die Gedanken sind frei“, das ein junger Musiker eingespielt hat. Diese Lied steht für den Freiheitskampf im 19. Jahrhundert und auch für Toleranz aller Rassen, Religionen, geschlechtlicher Ausrichtung u.a..

 

Das Thema Aids wurde noch einmal in Form der Aids-Schleife aufgegriffen. Sie ist auf der linken Seite an dem gelochten Blech angeschraubt, sie dient dazu, die Truhe zu bewegen, aber auch um etwas „zu bewegen“, in Bewegung zu setzen.

 

Wenn die Truhe bei Ikea ausgestellt ist, sollen noch verschiedene Utensilien auf der Truhe platziert werden, z.B. zwei Bücher, eine Teetasse, ein Spiel u.a. Sie sollen ausdrücken, dass dieses Möbelstück benutzt wird im Alltag.

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